Obsan-Bericht zeigt: Immer mehr Gesundheitspersonal wird aus dem Beruf gedrängt

Der Obsan-Bericht (Versorgungsbericht) zeigt wiederum eine dramatische Entwicklung: Die Fachschulen in der Schweiz bilden zwar mehr Pflege- und Betreuungspersonal aus, verliert aber gleichzeitig einen grossen Teil der ausgebildeten Fachkräfte wieder.

Seit dem letzten Versorgungsbericht und der Annahme der Pflegeinitiative, hat sich die Situation nochmals dramatisch verschlechtert. Der VPOD fordert einen Kurswechsel und öffentliche Investitionen, um genügend Personal und akzeptable Arbeitsbedingungen zu gewährleisten und allen Menschen eine zugängliche und qualitativ gute Gesundheitsversorgung zu garantieren.

Die Versorgungslücke wird grösser, noch mehr Personal verlässt den Beruf

Die Obsan-Prognose zeigt das Ausmass des Personalmangels: Es fehlen aktuell jährlich rund 1700 Pflegefachpersonen – noch bevor berücksichtigt wird, dass viele Ausgebildete den Beruf wieder verlassen. Rund 75 Prozent der Ausbildungsabgänger:innen auf Stufe Pflegefachperson (tertiärer Abschluss) arbeiten zunächst in einer Gesundheitsinstitution – mit 40 Jahren sind es nur noch rund 47 Prozent! Aktuell wird diese Lücke vor allem mit FaGe gestopft, was alles andere als funktioniert. Diese unterbezahlten Arbeitnehmer:innen müssen häufig Aufgaben übernehmen, für die sie weder Zugang zu Weiterbildungen hatten noch die notwendigen Qualifikationen erwerben konnten. Bei den Berufen der Sekundarstufe II (FaGe), verbleiben nur rund die Hälfte direkt nach der Ausbildung noch im Beruf, mit 40 sind es noch 22%!

Die Zahlen bestätigen, was die Beschäftigten längst erleben: Junge Berufsleute werden nach ihrer Ausbildung viel zu oft mit komplexen Aufgaben allein gelassen und einem unglaublichen Stress ausgesetzt. «Fehlende Begleitung, Personalmangel, Druck und Stress treiben sie aus dem Beruf», sagt Friederike Flückiger, Präsidentin der Gesundheitskommission des VPOD und Pflegefachperson an einem Waadtländer Spital.

Notsituation! Es braucht dringend bessere Rahmenbedingungen bei der Arbeit

Immer mehr sparen und noch mehr arbeiten ist keine Lösung. Wir müssen in das investieren, was uns etwas Wert ist: Eine gute Gesundheitsversorgung und eine qualitativ hochstehende Pflege. Der Versorgungsbericht zeigt auf, dass auf verschiedenen Ebenen angesetzt werden muss. Als naheliegender erster Schritt muss die Pflegeinitiative umgesetzt werden, die vor bald 5 Jahren von einem überwältigenden Volksmehr angenommen wurde. Aktuell verrennt sich die Politik jedoch in genau die entgegengesetzte Richtung: Die Pflegeinitiative nicht umgesetzt. Kanton und Bund senken die Steuern für die Reichsten und verabschieden Sparprogramme, auch im Gesundheitsbereich.

Der VPOD fordert:

  • Radikal bessere Arbeitsbedingungen und mehr Personal;
  • Die Aufwertung aller Gesundheitsberufe, welche als stark feminisierte Berufe nicht immer den Stellenwert und die Löhne verzeichnen, die es braucht;
  • Verbindliche Begleitung und Einarbeitung insbesondere in den ersten Berufsjahren;
  • Genügend Zeit und Geld für Weiterbildung;
  • Eine Aufwertung der Löhne und der Berufe der Sekundarstufe II, insbesondere der FaGe;
  • Eine Ausbildungsoffensive, die nicht durch Sparprogramme der Kantone ausgebremst wird;
  • Eine öffentliche Finanzierung, die unser Gesundheitssystem auf Qualität und einen universellen Zugang zur Gesundheitsversorgung ohne jegliche Einschränkungen ausrichtet.